20.12.2019 Jahresrückblick 2019

Vier unserer (Berufs-)Fachschulen mit insgesamt 175 Jahren Ausbildungserfahrung feierten ihre Jubiläen im Jahr 2019.

50 Jahre katholische Fachschule für Jugend- und Heimerziehung in Stuttgart

Das Jubiläumsjahr der Fachschule für Jugend- und Heimerziehung begann am 10. Oktober 2018 mit einer Geburtstagsfeier anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Fachschule. In unterschiedlichster Form und mit verschiedensten Beiträgen gestalteten sowohl die Lehrkräfte wie auch die Auszubildenden die Feierlichkeiten zu diesem besonderen Tag mit.
50 Jahre Fachschule für Sozialwesen war auch Anlass am 3. April 2019 aktuelle gesamtgesellschaftliche Entwicklungen unter dem Motto „Kompetenzentwicklung und Professionalisierung in der Jugend- und Heimerziehung“ zu thematisieren, zu diskutieren und die sich hieraus ergebenden verändernden Bedarfe im Bereich Sozialer Arbeit darzustellen.
Mit einem geschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Fachschule und die damit verbundene Notwendigkeit der Professionalität in der Heimerziehung eröffnete Herr Manne Lucha, Minister für Soziales und Integration Baden-Württemberg, in seinem Grußwort den Fachtag. Frau Dr. Irme Stetter-Karp, Bischöfliche Ordinariatsrätin der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wie auch Frau Isabel Fezer, Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Stuttgart, Referat Jugend und Bildung, gestalteten durch ihre Grußworte einen wunderbaren Übergang zu den am Vormittag stattgefundenen Fachvorträgen von Herrn Prof. Matthias Moch (Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart) und Herrn Michael Weinmann (Waldhaus Hildrizhausen).
Am Nachmittag wurden im Rahmen von Workshops die aus den Vorträgen sich ergebenden Fragestellungen zur Kompetenzerweiterung und Professionalisierung der Jugend- und Heimerziehung mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern der öffentlich verantworteten Erziehung vor dem Hintergrund der Weiterentwicklung fachschulischer Ausbildung diskutiert. Die enge Verzahnung der Theorie und Praxis stand hier im Mittelpunkt der Diskussionen.

45 Jahre katholische Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Stuttgart

Die Altenpflege als eigenständiger Pflegeberuf ist noch sehr jung.
Mit dem Entwurf eines Ausbildungskonzeptes gelang es dem „Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge“ Mitte der 60er Jahre, einen Grundstein für eine eigenständige Altenpflegeausbildung zu legen.
Ende der 60er Jahre wurde in Nordrhein-Westfalen daraufhin die erste zweijährige Ausbildung in der Altenpflege angeboten. Und es gab erstmals Prüfungsordnungen für diesen neuen sozialpflegerischen Beruf.
In Baden-Württemberg gab es Ende der 70er Jahre eine landesweite Regelung zu einer 1,5-jährigen Ausbildung. Ein Teil dieser Zeit war Tätigkeit/Praktikum ohne Unterricht, das so genannte Anerkennungspraktikum. Das Berufsverständnis der Altenpflege bildete sich damals aus einer Mischung aus Lebensbegleitung, medizinischer Betreuung, Hauswirtschaft, Hotelservice und individueller Kundenbetreuung.
Begonnen hat es mit der Kath. Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe1974 in einem großen Kellerraum, im neu errichteten Alten-und Pflegeheim St. Ulrich in Stuttgart-Mönchfeld. Das ist schon eine Zeit her.
Auch war unsere Katholische Berufsfachschule in einem Nebenbau des Hauses Adam Müller-Guttenbrunn, sowie in Stuttgart/Herdweg 49 untergebracht.
In den 80-iger Jahren wurde der Ausbildungsgang in fast allen Bundesländern auf 2 Jahre verlängert und von den Inhalten her erweitert.
Vom DBVA (Deutscher Berufsverband für Altenpflege) wurde ein Berufsbild für staatlich anerkannte Altenpfleger formuliert.
In der zweiten Hälfte der 90er Jahre ging die Schule in die Trägerschaft des Diözesan-Caritasverbandes über.
Erst Ende der 1990er Jahre kommt es bundesweit zur Durchsetzung der dreijährigen Ausbildung und dazu, dass Altenpflegekräfte wie Gesundheits- und Krankenpflegekräfte medizinische Behandlungspflege im Arztauftrag durchführen können (Injektion usw.). Auch in Sozialstationen werden nun dreijährig ausgebildete Altenpfleger eingestellt.
Die Altenpflegeausbildung wurde durch das Altenpflegegesetz vom 17. November 2000 in der Fassung der Bekanntmachung vom 25. August 2003 bundeseinheitlich geregelt und wird rechtlich zu den „anderen“ Heilberufen gezählt. Die Ausbildungsdauer wurde von zwei auf drei Jahre verlängert. Die praktische Ausbildung kann sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich durchgeführt werden.
Die Zeit an den unterschiedlichen Schulstandorten war bunt, lebhaft, fast familiär, bedingt durch die Räumlichkeiten. Eine Gemeinschaftsküche für Lehrkräfte und Auszubildende, zwei Klassenzimmer, einen Demoraum, ein Lehrerzimmer für Schulleitung, Lehrkräfte und Honorardozenten und ein kleines Sekretariat.
Trotz eingeschränkter Möglichkeiten waren wir technisch, berufspolitisch, fachlich und qualitativ immer auf dem neuesten Stand.
Ende 2002 kommt es zur Gründung des Institutes für Soziale Berufe.  Ab 01. April 2003 wird Frau Dr. Reschl-Rühling als Geschäftsführung eingesetzt.
Seit 01. Mai 2004 sind die Schulen in einer diözesanweiten Trägerschaft des Institutes für Soziale Berufe gGmbH Stuttgart.
2010 sind wir in das Hildegard Burjan Haus eingezogen. Begonnen mit 3 Lehrgängen bis heute gewachsen auf 7 Lehrgänge.
Seit 2017 bieten wir nach dem Eckpunktepapier des Landes Baden-Württemberg die 2-jährige Altenpflegehilfe für Menschen mit Migrationshintergrund an. Intensive Deutschförderung begleitet diese Ausbildungsform.
45 Jahre Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe Stuttgart.
Ein guter Grund zu feiern. Am 11. April 2019 war es soweit. Die Feier war gut besucht. Das Programm vielfältig, bunt und informativ. Bei Musik, Theater, Gesang und einem bunten, kulinarisch ansprechenden Buffet gab es Zeit für Begegnung und regen Austausch.
Bildung ist Veränderungen unterworfen, beeinflusst von Gesellschaft, Technologie und Politik. Bereit zu sein für die Fragen dieser Zeit fordert eine Schulkultur, die bei Lernenden Neugierde und kritische Aufmerksamkeit weckt, sowie Wurzeln legt, die tragfähig sind, um Zukunft zu gestalten…mitzugestalten.
Mit diesem Gedanken gehen wir 2020 in die generalistische Ausbildung.
Die Ausbildungen der Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege werden zu einem gemeinsamen Ausbildungsgang zusammengelegt. Am Ende stehen Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner.
Wir werden sehen, was die nächsten 45 Jahre bringen werden.

30 Jahre katholische Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Spaichingen

Der Fachbereich Altenpflege der Edith-Stein-Schulen Rottweil/Spaichingen konnte 2019 auf 30 erfolgreiche Jahre Altenpflege- und Altenpflegehelferausbildung zurückblicken.
Am 8. November 2019 feierte die Schule im Edith-Stein-Haus in Spaichingen das 30-jährige Jubiläum mit einem Festakt.
„Altenpflege ist kein Beruf, sondern eine Berufung“ – So hieß des Lied, das eigens von einer ehemaligen Schülerin für dieses Jubiläum komponiert und gedichtet wurde.
Nach der Begrüßung durch die Schulleitung Frau Cornelia Graf und einem geistlichen Impuls von Frau Dr. Doris Ziebritzki, sowie Grußworte von Ministerpräsident a. D. Herr Dr. h. c. Erwin Teufel und Bürgermeister Herr Hans-Georg Schumacher folgte ein Fachvortrag von Frau Prof. Dr. Ursula Immenschuh von der Katholischen Hochschule Freiburg.
Die Festgäste, darunter viele ehemalige Schulleiter und Lehrkräfte der Schule, sowie Partner der Ausbildungseinrichtungen, konnten in dem kurzweiligen Fachvortrag zum Thema „Würdevolle Pflege im Alter – unverschämtes Nachdenken über Altenpflege in der heutigen Zeit“ einige interessante Gedanken über Scham und Würde mit auf den Weg nehmen.
Das Programm wurde durch den Schülerchor mit Klavier und Instrumentalbegleitung musikalisch umrahmt.
Im Anschluss konnten sich die Festgäste bei Kaffee, Jubiläumstorte – die von einer Schülerin gebacken wurde – und Häppchen stärken.

50 Jahre katholische Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart
Fachtag Bildung für eine bewegte Welt – Kindheit und Mobilität

Im Herbst des Jahres 1969 wurde an der Katholischen Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart ein Bildungsgang „Erzieherin im Kindergarten“ eingerichtet, nachdem ein Jahr zuvor dort mit der Ausbildung von Jugend- und Heimerzieherinnen und -erziehern begonnen wurde. Im Jahr 2019 feierte daher die Katholische Fachschule für Sozialpädagogik, nun in Stuttgart-Degerloch im Hildegard Burjan Haus, ihr 50-jähriges Jubiläum.
50 Jahre katholisch getragene Ausbildung von staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erziehern in Stuttgart: Für die Fachschule war diese Feier der Anlass, am 10. Oktober 2019 zu einem Fachtag einzuladen. Dieser Fachtag hatte die Mobilität im Leben von Kindern zum Thema. Denn: Die fachliche und kritische Auseinandersetzung zu Anliegen aus der Lebenswelt und Lebenswirklichkeit von Kindern gehört seit der Gründung zu den Aufgaben der Fachschule. Und auch in Zukunft nimmt die Fachschule sich drängender Fragen an und mischt sich ein – immer mit dem Ziel, das Wohl von Kindern zu fördern.
So ist Kindheit heute eine andere als vor 50 Jahren, nicht zuletzt, da die Stadt sich gewandelt hat. Dem Ideal der autogerechten Stadt folgte eine umfassende Motorisierung und Zunahme des Verkehrs. Erst später erkannt wurde die Notwendigkeit, Stadträume für Kinder und Jugendliche wieder lebenswert zu machen. Heute stellt sich die Frage einer umfassenden Verkehrswende. Wie bewegen sich Kinder in der Stadt? Wie erleben Kinder heute den Verkehr? Wie können wir Kinder auf ihre zukünftige Mobilität vorbereiten?
Der Fachtag „Bildung für eine bewegte Welt – Kindheit und Mobilität“ brachte Fachkräfte aus den Tageseinrichtungen für Kinder in der Region Stuttgart und Auszubildende der Fachschule mit Expertinnen und Experten zusammen, um Konzepte und Ideen für Kinder in einer bewegten Welt kennenzulernen und zu diskutieren.
Den Vormittag eröffneten Frau Bürgermeisterin Isabel Fezer und Herr Schuldirektor i.K. Klaus Hilbert mit Grußworten. Beide verwiesen auf die Aktualität des Themas angesichts der Belastung durch das hohe Verkehrsaufkommen in Stuttgart und der politischen wie gesellschaftlichen Debatte um den Klimawandel. Zwei Hauptvorträge führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend vertieft in das Thema ein: Professor Peter Höfflin, Leiter des Instituts für Angewandte Forschung (IAF) an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, berichtete umfassend, was die Stadtsoziologie über das Verhalten von Kindern weiß, wenn diese im Stadtteil oder im Dorf unterwegs sind – wie diese sich die Umgebung von Elternhaus, Kindergarten und Schule erschließen, wie sich Bewegungsmuster im Laufe der Jahrzehnte verändert haben, und wie die Stadt durch die Gestaltung von kindgerechten Wegen und Plätzen die selbstbestimmte Mobilität von Kindern fördern kann. Die selbstbestimmte Mobilität von Kindern war dann auch für Frau Maria Haller-Kindler, Kinderbeauftragte der Landeshauptstadt Stuttgart, das Hauptanliegen des zweiten Vortrags. Frau Haller-Kindler berichtete anschaulich von Maßnahmen im Rahmen des Aktionsplans „Kinderfreundliches Stuttgart“, so beispielsweise über die Einrichtung temporärer Spielstraßen in dicht bewohnten Stuttgarter Stadtteilen.
Am Nachmittag konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Arbeitsgruppen mit weiteren Expertinnen und Experten diskutieren. Ehemalige Auszubildende der Fachschule stellten Ideen vor, die sie selbst im vergangenen Schuljahr in den Praxiseinrichtungen entwickelt und erprobt hatten: Wie erleben Kinder das Umfeld zwischen Elternhaus und Kindertageseinrichtung, wie können sie auf den Schulweg vorbereitet werden? Aus dem Polizeipräsidium Stuttgart berichteten Referenten über aktuelle Konzepte der Verkehrserziehung. Referentinnen und Referenten des Verkehrsclubs Deutschlands (VCD), der Mobilitätsberatung Stuttgart und des BUND Landesverband Baden-Württemberg zeigten anschaulich, wie in Projekten mit Vorschulkindern, Grundschulkindern und Eltern die umweltbewusste und selbstbestimmte Mobilität von Kindern gefördert werden kann.
Mit diesem Fachtag leistete die Katholische Fachschule für Sozialpädagogik Stuttgart einen Beitrag zur Bildung für die Nachhaltige Entwicklung, mit dem Schwerpunkt auf die individuelle Mobilität. In der Abschlussrunde wurde dies deutlich: Hier formulierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einerseits Forderungen an Politik und Gesellschaft. Andererseits berichteten diese auch, was sich jede und jeder für die nächsten Monate vornehmen kann, um nachhaltige Mobilität zu fördern, für sich und für die Kinder.